»Berliner Erklärung des Deutschen Freidenker-Verbandes e.V
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Freies Denken heißt auch
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Freies Denken soll zugleich dem Zweck dienen, den persönlichen Lebensbereich, die gesellschaftlichen Verhältnisse und die internationalen Beziehungen nach dem Maßstab der Vernunft und Toleranz, der Solidarität und tätigen Humanität sowie des gesellschaftlichen Fortschritts einzurichten.
In diesem Sinne verstehen wir freies Denken als Ausdruck einer aktiven und selbstverantwortlichen Lebenshaltung.
Der Mensch als biotisches und psycho-soziales Wesen kann mit Verstand und Gefühl, mit Emotionen, mit seiner ganzen Persönlichkeit einen wichtigen Beitrag leisten, daß Menschlichkeit und Menschenliebe das eigene Verhalten wie die Politik mehr und mehr prägen.
So wirkt der DFV für ein Ethos des gemeinsamen Lebens, das bestimmt wird durch die Respektierung der Menschenwürde, durch Toleranz und das Streben nach Dialog, durch Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft und Solidarität, durch Gewaltfreiheit und Achtung von Minderheitenrechten, durch die Anerkennung der prinzipiellen Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung aller Menschen.
Der DFV tritt für Bedingungen ein, unter denen diese Grundsätze des Freien Denkens maximal verwirklicht werden können, für die umfassende Bildung und Entwicklung des Menschen, seine bewusste Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, eine strikt menschenrechtlich orientierte Politik, die den Fortbestand der menschlichen Zivilisation und ihre Emanzipation sichert.
Wofür tritt der DFV ein?

Für eine Welt ohne Krieg
Die dringlichste Aufgabe ist die Bannung jeglicher Kriegsgefahr. Krieg und Gewaltanwendung dürfen nicht als Mittel der Politik rehabilitiert werden, sie müssen international geächtet werden.
Der DFV wendet sich gegen jede Form innerer und äußerer Kriegsvorbereitung, sei sie ökonomischer, politischer, militärischer oder ideologischer Art. Krieg in jeder Form, auch als humanitäre Einsätze oder ‚friedenserhaltende bzw. friedensschaffende Maßnahmen' deklariert, muss entschieden Widerstand geleistet werden. Die Bundesrepublik Deutschland darf nicht zur weltweit agierenden Militärmacht werden, die den deutschen Waffen auch noch deutsche Soldaten in alle Welt folgen lässt.
Vorrangig ist das Verhindern der Verbreitung und die Vernichtung aller Massenvernichtungswaffen, umfassende Abrüstung sowie ein radikaler Truppenabbau bis zur Herstellung struktureller Nichtangriffsfähigkeit, damit Kriege nicht mehr führbar sind.
Die Umstellung der Rüstungswirtschaft auf zivile Produktion und ein Verbot des Exports von Waffen aller Art ist notwendig. Die freiwerdenden Mittel sind zur Schaffung von Arbeitsplätzen sowie zur Eindämmung des Hungers und Elends in der Welt einzusetzen.
Der DFV unterstützt alle Aktivitäten für die Erhaltung des Friedens, für Abrüstung und Freundschaft der Völker.
Für Freiheit und Gleichberechtigung aller Menschen
Unser Ziel ist eine Gesellschaft freier und gleichberechtigter Menschen.
In ihr soll die demokratische Beteiligung und Mitentscheidung der Bürgerinnen und Bürger in allen Lebensbereichen selbstverständlich sein.
Rechte und Freiheiten des Individuums sind zu schützen, Interessen und Bedürfnisse der Allgemeinheit haben grundsätzlich Vorrang vor Gewinn- und Machtstreben. Wir wenden uns entschieden gegen elitäres Denken, elitäre Erziehung und entsprechende Herrschaftsansprüche. Alles politische Handeln muss dem Ziel dienen, Gerechtigkeit zu verwirklichen, Frieden herzustellen und zu bewahren, es muss sozial, human und ökologisch sein.
Notwendig ist eine neue Mensch-Natur-Beziehung, in der nicht der Mensch die Natur ausbeutet, sondern durch Kenntnis der Naturgesetze in Übereinstimmung mit ihnen handelt und nur solche Ziele der Umweltgestaltung anstrebt, die die natürlichen Existenzgrundlagen künftiger Generationen nicht gefährdet.
Dies bedeutet, nicht den unmittelbaren Nutzen, sondern die Folgewirkungen zum Maßstab des Handelns zu machen, Schonung und Erneuerung von Ressourcen sowie abfallarme, geschlossene Produktionskreisläufe zu verwirklichen.
Zur Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen ist eine neue Regulations-, Denk- und Lebensweise gefordert, eine andere Weise, zu produzieren und zu wirtschaften.
Diese Aufgabe stellt sich auch mit Blick auf die unterentwickelt gehaltenen Länder, wo fortschreitende Armut und Hunger den Raubbau an der Natur, Überbevölkerung und ständig steigende Verelendung bewirken. Die Politik der fortgesetzten neokolonialistischen Ausplünderung dieser Länder mit Hilfe der internationalen Finanzinstitutionen, insbesondere Weltbank und Internationaler Währungsfond, muss beendet werden.
Neue internationale partnerschaftliche Beziehungen und solidarische Hilfen müssen echte Entwicklung und gerechte Verteilung fördern, ebenso die Überwindung der Unwissenheit, die Ohnmacht gegenüber den Naturgewalten und den Gesellschaftskräften bewirkt, und damit eine entscheidende Quelle von religiösem Glauben und Irrationalismus ist.
Fremdbestimmung, Ausbeutung und Unterdrückung sind mit menschenwürdigen Verhältnissen unvereinbar. Deshalb tritt der Deutsche Freidenker-Verband gegen alle Verhältnisse auf, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist. Das Grundprinzip einer menschenwürdigen Gesellschaft muss die volle und freie Entfaltung jedes Individuums sein.
Damit die auf Grundlage der Naturbeherrschung entwickelten Produktivkräfte nicht zu Destruktivkräften werden, die den Untergang der Menschheit heraufbeschwören, müssen die Menschen auch die Entwicklungsgesetze der Gesellschaft erlernen und beherrschen, um die Fähigkeit zur gesellschaftlichen Selbstbeherrschung zu erlangen.
Der Deutsche Freidenker-Verband verlangt die Durchsetzung der Gleichheit vor dem Gesetz, unabhängig von Besitz, Hautfarbe oder Gesinnung, Geschlecht und sexueller Orientierung, die strikte Geltung der Grundsätze, daß Beschuldigte bis zum Schuldbeweis als unschuldig gelten, daß es keine Strafe ohne Gesetz geben darf, daß der Rechtsweg zur Überprüfung aller Entscheidungen garantiert wird, daß alle Menschen, die in diesem Land leben, gleiche Rechte genießen müssen.
Eine Politik, die Menschen ernst nimmt und zum Maßstab von Entscheidungen macht, kann darauf verzichten, mit geheimdienstlichen Mitteln gegen sie zu konspirieren. Das gesellschaftliche Klima soll kulturvoll, tolerant, freiheitlich und weltoffen sein.
Der Deutsche Freidenker-Verband fühlt sich einer konsequenten antifaschistischen und antirassistischen Politik verpflichtet, er wendet sich gegen alle barbarischen und Menschenverachtenden Ideologien und Praktiken.
Das verfassungsmäßige Verbot von Nazi-Organisationen und -propaganda muss erhalten und durchgesetzt werden.
Alle demokratisch gesinnten Menschen müssen den rechtsextremistischen Angriffen auf die Demokratie, der Intoleranz und dem Hass gegen Fremde, Andersartige und Andersdenkende entschiedenen Widerstand entgegensetzen. In ihrer Heimat Verfolgten muss Asyl gewährt werden. Die Rechte von Minderheiten und Benachteiligten müssen konsequent geschützt und verteidigt werden.
Der Deutsche Freidenker-Verband tritt für die völlige Gleichstellung der Frau in allen gesellschaftlichen Bereichen und deren materielle Absicherung, einschließlich der Kinder, ein. Die Gesellschaft hat die Mittel bereitzustellen und Möglichkeiten zu realisieren, damit die Frau und Mutter weitestgehend genauso wie der Mann - in voller Gleichberechtigung und Akzeptanz, ohne finanzielle Einbuße oder sonstige Benachteiligung, am beruflichen und gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann. Wir sehen aber auch die jahrtausende alte Unterdrückung und Ausbeutung der Frau durch das Patriarchat, ihre fast vollständige Verdrängung aus der Geschichte. Solche bis heute fortwirkenden Tendenzen zur Verhinderung und Unterschlagung wissenschaftlicher, kultureller und allgemein gesellschaftlicher Leistungen der Frau durch die männerdominierte Gesellschaft müssen durchbrochen und beendet werden. Die Paragraphen 166 ("Gotteslästerung") und 218 (Schwangerschaftsabbruch) sind aus dem Strafgesetzbuch zu streichen.
Für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kunst im Dienst der Bewahrung und Fortentwicklung der menschlichen Zivilisation.
Der DFV verteidigt Wissenschaftlichkeit als Mittel der Erkenntnis, er bejaht wissenschaftliche Forschung zum Zweck der Humanisierung der Welt. Wir wenden uns entschieden gegen den Missbrauch der Ergebnisse von Wissenschaft und Forschung zum Schaden von Mensch, Natur und Gesellschaft. Die Verantwortung der Wissenschaft, der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beginnt bereits bei der Sinngebung der Wissenschaft als Feld der Arbeit und als gesellschaftliche Institution, bei der Entscheidung über Ziele und Zwecke und bei der Grundlagenforschung. Die dabei entscheidenden Interessen dürfen sich nicht an der profitablen Verwertung, sie müssen sich an den Lebens- und Überlebensinteressen der Menschheit orientieren. Hierzu sind demokratische Entscheidungs- und Kontrollmechanismen unabdingbar.
Der Deutsche Freidenker-Verband ruft alle in Wissenschaft und Forschung Tätigen auf, ihre Mitwirkung bei friedensgefährdenden und destruktiven Projekten zu verweigern.
Wir bieten allen den Dialog und ein Diskussionsforum an, die wie wir daran interessiert sind, der Erkenntnisgehalt und die humanistischen Potenzen der Wissenschaften zur Geltung zu bringen. Der DFV tritt für ein ganzheitliches System von Bildung und Erziehung ein, das die maximale Forderung von Neigungen und Fähigkeiten ermöglicht und gleiche Bildungschancen für alle bietet.
Dies erfordert eine breite Grundbildung und die Durchlässigkeit der Bildungsgänge, die Vermeidung von Bildungsprivilegien und sozialer Auslese.
Notwendig sind Systeme der speziellen Förderung, besonders für Mädchen und Frauen, der Weiterqualifizierung und eines lebenslangen Lernens. Die Unterrichtsfächer an den Schulen müssen dem jeweils erreichten Niveau der Wissenschaft, die Bildungsinhalte demokratischen und humanistischen Grundsätzen entsprechen. Mitmenschlichkeit und Toleranz, Gerechtigkeitssinn und Solidarität sind wichtige Lernziele, wir treten für eine Erziehung zum Frieden, zu Völkerverständigung und -freundschaft ein. Wissenschaft und Forschung tragen eine große Verantwortung für die Menschheits- und Umweltverträglichkeit ihrer Ergebnisse, und damit für den Fortbestand der Zivilisation.
Der Deutsche Freidenker-Verband tritt für eine neue Qualität der Kultur, des individuellen und gesellschaftlichen Verhaltens im Umgang der Menschen miteinander ein.
Historisch schließt unser Kulturverständnis die fortschrittlichen Überlieferungen und Traditionen der Menschheit, des Freiheitskampfes der Unterdrückten und Ausgebeuteten, insbesondere die Kämpfe der Arbeiterbewegung für die Verbesserung ihrer Lage und für eine sozialistische Gesellschaftsordnung ein.
Die geistigen und kulturellen Interessen zu entwickeln und zu befriedigen heißt, den freien und ungehinderten Zugang zu den Errungenschaften von Kunst und Kultur für alle zu sichern sowie die vielfältigen Initiativen demokratischer kultureller Selbsttätigkeit fördern.
Zur Sicherung der Freiheit der Kunst und des künstlerischen Ausdrucks ist eine soziale Grundsicherung der Kulturschaffenden erforderlich.
Der Deutsche Freidenker-Verband misst den Massenmedien für die Wahrnehmung der Wirklichkeit und die Meinungsbildung große Bedeutung zu. Sie sollen das eigene Urteilsvermögen, die Autonomie des Menschen fördern: für die freie, eigenverantwortliche Gestaltung der Wirklichkeit und der Lebensweise.
Dem Druck in Richtung Kommerzialisierung, verbunden mit der Brutalisierung und Trivialisierung der Inhalte, muss der Anspruch auf kulturvolle Unterhaltung und authentische, wahrhaftige, unzensierte Information entgegengesetzt werden.
Eine wirkungsvolle demokratische Kontrolle der Medien ist unabdingbar, um diese Ziele verwirklichen zu können. Der Monopolisierung und Konzentration wirtschaftlicher Macht im Bereich der Medien ist unser entschiedener Widerstand entgegenzusetzen.
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Für die Gewährleistung der sozialen Existenzbedingungen
Die erkämpften sozialen Errungenschaften müssen verteidigt, soziale Leistungen müssen aus- und nicht abgebaut werden.
Wir wenden uns gegen ein Gesellschaftssystem, das Menschen ausgegrenzt und in Armut stößt, das ihnen massenhaft ihr demokratisches und soziales Recht auf Selbstverwirklichung durch Arbeit und die Möglichkeit verweigert, durch Arbeit ihren eigenen Lebensunterhalt zu sichern.
Der DFV stimmt mit den Forderungen nach dem Recht auf sinnvolle Arbeit, auf bezahlbaren und angemessenen Wohnraum, den Anspruch auf Bildung und Ausbildung überein. Er unterstützt die Durchsetzung des Rechts auf einen Kinderbetreuungsplatz und eine menschenwürdige Betreuung und Pflege im Alter. Er wendet sich gegen Einschränkungen der medizinischen und psychosozialen Versorgung sowie der sozialen Sicherung. Dies muss für alle Menschen, ohne Ausnahmen und Ausgrenzungen gelten.
Der Deutsche Freidenker-Verband lehnt alle Bestimmungen und Praktiken ab, die Einzelne oder Gruppen wegen ihres Geschlechts, wegen ihrer Herkunft, Hautfarbe oder Nationalität, ihrer sozialen oder gesellschaftlichen Stellung, wegen ihres Alters, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer körperlichen oder geistigen Verfassung diskriminieren und ihre Rechte einschränken. Freidenker treten für soziale Gerechtigkeit und Solidarität, für gleiche Rechte sowie für Bedingungen ein, die eine umfassende, demokratische Teilhabe Aller am gesellschaftlichen Leben ermöglichen.
Die wichtigste Bedingung für die menschliche Selbstbestimmung ist hierbei, daß der Mensch up nicht der Markt, daß die Interessen der Allgemeinheit und nicht die Interessen der Kapitalverwertung im Mittelpunkt des Wirtschaftens stehen.
Für die Trennung von Staat und Kirche, Kirche und Schule sowie den Dialog mit religiösen Menschen
Der Deutsche Freidenker-Verband vertritt traditionell die Interessen konfessionsfreier Menschen. Die Verwirklichung der Trennung von Staat und Kirche ist eine demokratische Selbstverständlichkeit, die sich zwingend aus der verfassungsmäßigen Neutralität des Staates in Religions- und Weltanschauungsfragen ergibt.
Trennung von Staat und Kirche heißt im einzelnen:
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Trennung der Schule von der Kirche heißt im einzelnen:
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Dialog mit religiösen Menschen heißt im einzelnen
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In diesem Sinne verstehen wir Religionskritik als Gesellschaftskritik.

Mit wem wollen die Freidenker zusammengehen?
Der Deutsche Freidenker-Verband wendet sich an alle konfessionsfreien Menschen mit der Aufforderung, in seinen Reihen für die Anliegen des Freien Denkens zu wirken und dabei eigene Ideen, Vorschläge und Phantasie einzubringen.
Wer frei denken möchte, braucht dazu sicher nicht zwangsläufig eine Organisation - aber der Interessenvertretung konfessionsfreier Menschen, der Verteidigung der Vernunft und der Menschenwürde, dem Eintreten für praktische Humanität und die Emanzipation des Menschen nützt ein stärkerer Deutscher Freidenker-Verband.
Bei der Verwirklichung unserer Vorstellungen wollen wir mit allen zusammenwirken, die - auch teilweise - gleiche oder ähnliche Ziele anstreben wie der DFV. Dabei wahren wir unsere Selbständigkeit und parteipolitische Unabhängigkeit.
Zur Durchsetzung der strikten Trennung von Staat und Kirche suchen wir die enge Zusammenarbeit mit allen freigeistig-humanistisch eingestellten Menschen und Organisationen.
Im Rahmen der Weltunion der Freidenker wirken wir für Völkerverständigung und Frieden, gegen religiösen Fanatismus und nationalistische Überheblichkeit, gegen jeden Rassismus und Antisemitismus.
Der Deutsche Freidenker-Verband wendet sich entschieden gegen solche religiösen und nicht-religiösen Mythen, die zur Legitimation oder Verklärung von Entscheidungen oder Verhältnissen dienen, die den Menschen entmündigen und unterdrücken sowie die Kriegsbereitschaft begünstigen. Er unterzieht bevormundende Ideologien, die Selbständigkeit, Eigenverantwortlichkeit und aktives Handeln der Menschen einschränken wollen, einer umfassenden Kritik.
Der Deutsche Freidenker-Verband will seinen Beitrag leisten zu einem tragfähigen geistigen Fundament für gemeinsames Handeln, das zur Lösung der Überlebensfragen der Zivilisation ein drängendes Gebot unserer Zeit ist.
Als Verbündete für eine menschenwürdige Gegenwart und Zukunft betrachten wir die Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung, die Bewegungen für Demokratie und Menschenrechte, für Frieden und Abrüstung, für Frauenrechte, für Umweltschutz sowie ebenso alle antifaschistischen und antirassistischen Organisationen und Initiativen gegen Antisemitismus, für Völkerfreundschaft und internationale Solidarität, für die Entwicklung und Emanzipation der unterentwickelten Länder.
Wir fühlen uns verbunden mit den Aktivitäten für die Zukunftsperspektiven von Kindern und Jugendlichen, für ein menschenwürdiges Leben von Alten, Kranken und Behinderten, für die Rechte von Schwulen und Lesben und mit den demokratischen Initiativen von Pädagogen und Wissenschaftlern, Künstlern und Kulturschaffenden.
Alles Wirken des Deutschen Freidenker-Verbandes soll zu einer Welt beitragen, in der Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit keine Utopie bleiben.
Welche Arbeitsfelder und Formen des Verbandslebens bieten die Freidenker?
Unsere Kulturarbeit unterstützt Bestrebungen nach Emanzipation, nach Befreiung von den ideologischen Zwängen und den religiösen Vernebelungen des Patriarchats und des Kapitalismus. Seiner Rolle als Interessenvertreter konfessionsfreier Menschen, die ihm selbst angehören, oder die sich aus weltanschaulichen, moralischen, kulturellen oder sozialen Gründen an ihn wenden, weil sie seines Beistands bedürfen, oder weil sie sich von seinen Positionen angesprochen fühlen, wird der Deutsche Freidenker-Verband dadurch gerecht, daß er gemeinnützige und auch mildtätige Arbeit auf folgenden Hauptgebieten verwirklicht:
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Bildungsarbeit, die der Selbstverwirklichung der Individualität freier Menschen mit einem realen und materialistischen Weltbild dient durch die Vermittlung von wissenschaftlichen Erkenntnissen, die Erörterung von Moral- und Wertvorstellungen sowie die Diskussion weltanschaulich-philosophischer Fragen, die in ihrer Vielfalt offen und ohne Tabus sind;
Lebenshilfe in allen Lebensabschnitten durch Hilfe bei der individuellen Lebensbewältigung und Lebensgestaltung, durch Beratung bei der Konfliktbewältigung privater und gesellschaftlicher Natur, durch Sensibilisierung besonders seiner Mitglieder und deren Befähigung, anderen Menschen in Not und Bedrückungssituationen helfen und beistehen zu können;
Jugendarbeit, die junge Menschen unter aktueller Sicht an die großen Traditionen des Freidenkertums heranführt durch eigenständiges, altersgemäßes Gemeinschaftsleben im Verband, durch weltanschaulich orientierte Jugendstunden, die der Vorbereitung der Heranwachsenden auf Jugendfeier bzw. Jugendweihe dienen, durch Jugendwander- und Reisetätigkeit;
Weltliche Fest- und Feierkultur, die der optimistischen Lebenseinstellung und der Verteidigung der Unantastbarkeit der Würde des Menschen in unserer krisenreichen Welt entspricht, durch die Gestaltung von Höhepunkten im Leben der Familie und des Einzelnen, so bei der Namensgebung, Jugendweihe, Eheschließung, bei Jubiläen und anderen Festen und Feiern;
Alternatives Leben - wir brauchen den Zusammenschluss der Jugend, von Frauen, Männern und Familien zugunsten von demokratischen Solidargemeinschaften, die sich als soziale kampf- und Lebensgemeinschaften verstehen.
Wir brauchen eine alternative Lebensweise und andere Formen des menschlichen Zusammenlebens. Das Rollenverhalten von Mann und Frau, die undemokratischen, auf Gehorchen und Anpassen fixierten Erziehungsinhalte der bisherigen Familie müssen durchbrochen und nicht mehr reproduziert werden. Wir rufen alle, insbesondere die Jugend auf, im Arbeitsfeld 'Alternatives Leben' in die Diskussion zu treten und gemeinsame Zielvorstellungen zu erarbeiten. Es kommt schließlich nicht darauf an, die Welt nur zu interpretieren, man/ frau muss sie verändern.
Trauerkultur durch die Gestaltung weltlicher Trauerfeiern und Mitsorge um die Hinterbliebenen, durch Gewinnung und Ausbildung einer möglichst großen Zahl von TrauerrednerInnen, um auch der Tatsache gerecht zu werden, daß die Verstorbenen in immer größerer Zahl konfessionsfrei sind.
Anhang
Aus der Geschichte der Freidenker - Tradition und Erbe -
Lange vor Beginn der organisierten Freidenker-Bewegung suchten Menschen nach einem freien geistigen Fundament für ein eigenverantwortlich gestaltetes Leben und Selbstverwirklichung.
Zu den frühesten Beispielen zählen Kaiserin Teje und ihr Sohn Echnaton im Ägypten des 15. und 14. Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung sowie der chinesische Kaiser Wu im 12.-11. Jahrhundert v. u. Z., die jeweils gegen den Einfluss der Priesterschaft vorgingen, für Liebe zu den Menschen statt zu den Göttern eintraten, und naturwissenschaftliche Erkenntnis förderten.
Die indischen Philosophen Braspati und Carvaka im 7. Jh. v. u. Z. lehnten die Annahme eines 'Jenseits' ab, sahen in der geistigen Unabhängigkeit und dem eigenverantwortlichen Bewusstsein das höchste Gut des Menschen und begründeten die Lehre, daß die Materie die einzige Wirklichkeit ist und die Natur alles ohne Wirken höherer Mächte aus sich selbst hervorbringt.
Die Entwicklung des freien Denkens ist fortan eng verbunden mit der Geschichte der Philosophie, ihre materialistische Richtung entwickelte sich in Gegnerschaft zu idealistischen Auffassungen, wie sie von allen Religionen vertreten werden, die einen 'geistigen Ursprung' der Welt annehmen.
Im antiken Griechenland führte das Wirken von Thales, Anaximander und Heraklit, Demokrit und Epikur zur Weiterentwicklung eines materalistisch-monistischen, naturwissenschaftlich begründeten freien Denkens.
Über weite geschichtliche Zeiträume, besonders im Mittelalter, gerieten Bestrebungen, frei zu denken, immer wieder in Konflikt mit der "Ehe" von weltlicher Macht und Kirche.
Die Inanspruchnahme von Religion zur Legitimierung von Unterdrückung und Ausbeutung zeugte geistige Strömungen und Protestbewegungen, die sich gegen 'Verfälschung und Missbrauch der Religion' wandten.
Katharer, Albigenser und Waldenser, Bewegungen wie die Brüder und Schwestern vom freien Geist im 13. Jahrhundert sowie die Hussiten und später die Wiedertäufer sind Beispiele religiös-sozialer Protestströmungen, die als Ketzer denunziert und grausam verfolgt wurden. Der "Heiligen Inquisition" mit ihren Hexenverbrennungen fielen unzählige Menschen zum Opfer.
Innerkirchlich entwickelten sich die Averroisten, die nominalistische Richtung der Scholastik und der Humanismus der Renaissance zu Bewegungen, die teilweise materialistische Tendenzen vertraten und das Dogmengebäude der Kirche erschütterten.
Besonders machtvoll zeigte sich der Protest gegen das Feudalsystem und die Papstkirche als seine wichtigste geistige Stütze in der Reformation, die die Bauernkriege, die Entwicklung zweier politisch-konfessioneller Lager und die Gegenreformation im Gefolge hatten.
Mit der Verbreitung der Schriftlichkeit wurde das klerikale Bildungsmonopol gebrochen, die Manufakturproduktion bewirkte wirtschaftlichen Aufschwung.
Das Wirken von Kopernikus, Galileo Galilei und Giordano Bruno befreite die Naturwissenschaften und das wissenschaftliche Denken überhaupt von dogmatischer Bevormundung, sie führten das Erbe der materialistischen naturwissenschaftlichen Denker fort.
Im 17. und 18. Jahrhundert entstanden breite religionskritische geistig-philosophische Strömungen, repräsentiert z. B. durch Descartes, Spinoza, Voltaire, Rousseau, Lessing, Diderot und d'Alembert.
Der Name "Freidenker" entstand in dieser Zeit und wurde erstmals für den irischen Philosophen John Toland gebraucht, dessen religionskritisches Buch "Christentum ohne Geheimnis" 1696 nach einem Beschluss des Parlaments in Dublin öffentlich verbrannt wurde. Spätestens seit der 1713 in London erschienenen " Abhandlung über Freidenken und Freidenkertum" von Anthony Collins wurde der begriff allgemein gebräuchlich zunächst für jene, die sich kirchlicher Lehrautorität widersetzten, schließlich für diejenigen, die einen Gottesglauben generell ablehnen.
Der Deutsche Freidenker-Verband hat diese Tradition aufgenommen und sieht insbesondere im Denken der europäischen Aufklärung, des Atheismus und philosophischen Materialismus, der klassischen deutschen bürgerlichen Philosophie bis zur marxistischen Religionsphilosophie wichtiges geistiges, philosophisches Erbe.
Religionskritik und Toleranzidee waren in Frankreich entscheidende geistige Hebel der Großen Revolution von 1789-1799. Sie markierte einen wichtigen Schritt zur "Verweltlichung", der Befreiung der Menschheit von religiöser Mystifikation. Die sie tragenden Ideale Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit wirkten fort, inspirierten die demokratische Bewegung in Deutschland in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und sie behalten auch heute ihre prinzipielle Bedeutung als zu verwirklichende Ideale.
In der Zeit der Weberaufstände bildeten Pfarrer beider christlicher Konfessionen freie Gemeinden in Opposition zu der mit der Obrigkeit paktierenden Amtskirche. Nach dem Scheitern der bürgerlichen Revolution 1848 waren diese oppositionellen Strömungen erheblicher Verfolgung ausgesetzt, 1859 erfolgte der Zusammenschluss zum "Bund freireligiöser Gemeinden".
Mit dem Erstarken der Arbeiterbewegung wuchs zugleich das Bestreben, nicht nur "frei in der Religion", sondern gänzlich "frei von Religion" zu sein. Schulentlassungsfeier und Jugendweihen als Alternative zur Konfirmation werden durchgeführt, sie überwanden zunehmend religiöse Formen und Inhalte.
Nachdem 1880 in Brüssel der "Internationale Freidenkerbund" gebildet worden war, beginnt am 10. April 1881 in Frankfurt am Main die Geschichte der organisierten deutschen Freidenkerbewegung mit der Gründung des "Deutschen Freidenkerbundes", zu dessen Gründern Ludwig Büchner und Wilhelm Liebknecht gehörten.
Die Organisation wurde als "bürgerlich" bezeichnet, da sie, wie das Bürgertum früher, den Schwerpunkt auf die Aufklärung und Bildungsarbeit legte. Gleiches gilt für den 1906 von Ernst Haeckel gegründeten "Deutschen Monistenbund", der für eine freigeistige Weltanschauung auf naturwissenschaftlicher Grundlage eintrat.
Nach dem Freidenker-Weltkongress in Rom 1904 bildeten im Februar 1905 zwölf Sozialdemokraten in Berlin den "Verein der Freidenker für Feuerbestattung". Im September 1908 wurde in Eisenach der "Zentralverband Deutscher Freidenker" gegründet, der sich ab 1911 "Zentralverband proletarischer Freidenker", und ab 1922 "Gemeinschaft Proletarischer Freidenker" nannte.
Die 1905 und 1908 entstandenen Freidenker-Verbände verstanden sich beide als sozialistische, der Arbeiterbewegung verbundene Organisationen. Im Unterschied zu den bürgerlichen Atheisten sahen sie nicht im Gottesglauben den Hemmschuh für den Fortschritt, sondern in der auf Unterdrückung beruhenden Klassengesellschaft.
Sie folgerten daraus, den Kampf gegen Religion und Kirche nicht allein und in erster Linie im Reich der Gedanken, sondern vor allem gesellschaftspolitisch zu führen. Beide Verbände konnten nach dem Ersten Weltkrieg einen enormen Mitgliederzuwachs verzeichnen.
Die "Freidenker für Feuerbestattung" hatten ihren organisationspolitischen Schwerpunkt in Berlin, neben der Propagierung der Feuerbestattung boten sie eine Sterbeversicherung an und erfüllten damit neben einem kulturellen zugleich ein weitverbreitetes soziales Bedürfnis, besonders in der Arbeiterschaft.
Die "Proletarischen Freidenker" wirkten hauptsächlich in den übrigen Teilen Deutschlands, ihre Hauptaufgaben sahen sie in der Entwicklung einer alternativen "Gemeinschafts- und Feierkultur", sowie im politisch-weltanschaulichen Kampf gegen den Einfluß der Kirche und religiöse Anschauungen.
1922 bildeten beide Verbände mit dem Monistenbund, den im "Volksbund für Geistesfreiheit" zusammenwirkenden Freidenkerbund und Bund Freireligiöser Gemeinden sowie weiteren freigeistigen Organisationen die "Reichsarbeitsgemeinschaft freigeistiger Verbände", um gemeinsam für die Trennung von Staat und Kirche einzutreten.
Seit 1925 gaben die "Freidenker für Feuerbestattung" das Verbandsorgan "Der Freidenker" heraus, sie wandten sich damit stärker der Propagierung der weltanschaulichen und kulturpolitischen Vorstellungen des Freidenkertums zu, und schufen so wichtige Voraussetzungen für die Vereinigung mit den "Proletarischen Freidenkern"
1927 fand der Zusammenschluss zum "Verband für Freidenkertum und Feuerbestattung" statt, 1930 gab sich die Organisation den heutigen Namen "Deutscher Freidenker-Verband" und wählte Max Sievers zum Vorsitzenden. Der vereinigte Verband wurde Mitglied der 1925 gegründeten 'Internationale Proletarischer Freidenker". Die 1905 gegründete Zeitschrift "Der Atheist" wurde zum Organ der Internationale.
Wichtige Programmpunkte der Freidenker waren die Weltlichkeit des Schulwesens und die Abschaffung des Religionsunterrichts, die Abschaffung des religiösen Zwangseides an den Gerichten und die Beseitigung der Strafbarkeit von Abtreibungen.
Die parteipolitische Spaltung der Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik führte auch zu negativen Auseinandersetzungen im DFV. 1929 rief die KPD ihre Mitglieder zu Gründung eines "Verbandes proletarischer Freidenker Deutschlands" auf. Er wurde im Mai 1932, nunmehr 170 000 Mitglieder zählend, von der Reichsregierung Brüning verboten, da er "Religion und Sittlichkeit abschaffen" wolle.
Unmittelbar danach, im Juni 1932, stellte die NSDAP einen Verbotsantrag gegen den 650 000 Mitglieder starken DFV. Am 17. März 1933 stürmte die SA das Berliner Freidenkerhaus, das Vermögen wurde geraubt, die Tätigkeit des Verbandes verboten.
Max Sievers gelang im April 1933 gemeinsam mit dem DFV-Generalsekretär Hermann Graul die Flucht ins Ausland. 1943 wurde Max Sievers von den Nazis in Frankreich verhaftet, am 17. 11. 1943 vom "Volksgerichtshof' unter Vorsitz von Roland Freisler wegen "Verrat am deutschen Volke" zum Tode verurteilt und am 17. 1. 1944 von den Faschisten im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet.
Nach der Befreiung vom Faschismus war das Bemühen um Wiedergründung des Deutschen Freidenker-Verbandes von der gleichen Erkenntnis getragen, wie sie die Gewerkschaftsbewegung als geschichtliche Lehre zog: Eine parteipolitisch motivierte Zersplitterung muss vermieden, die parteipolitische Unabhängigkeit strikt verteidigt werden.
Neugründungen konnten zunächst nur lokal stattfinden, da die Westalliierten in den Kirchen und sich religiös nennenden Gemeinschaften zuverlässigere Partner für den Aufbau der Demokratie sahen, in der sowjetischen Zone konnte generell keine neue Freidenkerorganisation entstehen.
Ende 1945 gründete sich der DFV in Hamburg wieder, 1949 entstanden Landesverbände in Bayern, Berlin (West), Hessen und Niedersachsen, 1950 in Nordrhein-Westfalen. Daraufhin fand am 17. 3. 1951 eine erste "Generalversammlung" in Braunschweig statt, die den Gesamtverband für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland neukonstituierte und den 1949 aus dem Exil zurückgekehrten ehemaligen Generalsekretär Hermann Graul zum 1. Vorsitzenden wählte. Der Landesverband Berlin (West) blieb aufgrund der politischen Situation in Deutschland selbständig, gemeinsam bemühte man sich um die Wiederherstellung des 1933 von den Nazis verbotenen Verbandes und die Herausgabe des geraubten Vermögens, was nach langwierigen Prozessen, die bis in die siebziger Jahre geführt wurden, scheiterte.
1952 trat der DFV der Weltunion der Freidenker bei.
Nach dem Tode von Hermann Graul wurde auf der außerordentlichen Generalversammlung am 17. 4. 1954 der Sitz des Verbandes von Braunschweig nach Dortmund verlegt. In allen Bundesländern der BRD gründeten sich DFV-Landesverbände, während entsprechende Bemühungen in der DDR wegen des Monopolanspruchs der SED in Weltanschauungsfragen erfolglos blieben.
Als jedoch 1989 von der SED-Führung die Gründung eines Freidenker-Verbandes mit dem Ziel eingeleitet wurde, den sich abzeichnenden gesellschaftlichen Konflikten entgegenzuwirken, zeigte sich schnell, daß die Mehrheit der Mitglieder freies Denken, freie Diskussion und Hilfe in allen Lebensfragen suchten, jedoch keine Reglementierung von oben.
Am 1. Juni 1991 schlossen sich die Freidenker aus Ost und West, wiederum in Braunschweig, zu einem gemeinsamen Deutschen Freidenker-Verband zusammen.



