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Sabine Schiffer: Feindbilder und Kriegspropaganda und die Rolle der Medien

SchifferMedien sind als Vehikel für die Propagandeure für Ausbeutung, Krieg und Profitmaximierung fest eingeplant. Sie sollen die Feindbilder transportieren, die man für die Mobilmachung der Bevölkerungen braucht – denn die Menschen wollen keinen Krieg und sie sollen glauben, dass man nicht ein Land und andere Menschen angreift, sondern einen Diktator, das personifizierte Böse sozusagen. Dies hat die Referentin, Dr. Sabine Schiffer vom Institut für Medienverantwortung, die am 9. April in der Nürnberger Villa Leon auf Einladung des Freidenker Verbandes zum Thema sprach, in vielfachen Publikationen und Interviews dargelegt.

Hier eine kleine Auswahl:

Am 9. April in Nürnberg ordnete sie die konzertierte Medienkampagne #PanamaPapers in die Analysen mit ein und verwies darauf, dass inzwischen viele die berechtigte Frage stellen, warum die lange vorbereitete und über verschiedene Medienkanäle laufende Veröffentlichung ausgerechnet Wladimir Putin auf nicht wenigen Titelseiten skandalisiert, wo doch dieser ausdrücklich nicht in den Papieren zu finden sei. Schiffer geht hier von einer instrumentellen Aktualisierung aus und fordert genaue Gegenrecherchen, nämlich um die Fragen zu beantworten: Warum jetzt und von wem genau zu welchem Zweck hier welche Faktenauswahl präsentiert wird?

Feststellbar bleibt, dass sich die Konstruktion um „Putins Freunde“ herum passend einbettet in die Feindbildkonstruktion der letzten Jahre im Kontext des Ukrainekonflikts, wie auch dem Krieg in Syrien. Schiffer erläutert im theoretischen Teil einige Techniken der Public Relations unter Verweis auf Edward Bernays und empfiehlt, den Film „Happiness Machines“ anzuschauen oder sein Buch „Propaganda“ zu lesen. Mithilfe der dort genannten Techniken ist es nicht zwingend, aber möglich, gezielt Feindbilder aufzubauen, was durch eine stereotype Auswahl von Fakten kombiniert mit Übertreibungen und Dämonisierungen – etwa durch die Beiordnung ganz anderer, negativer Informationen – geschieht.

Schlaglichtartig erläuterte sie Beispiele der letzten Jahre, wo mit humanitären Spins für Krieg geworben wurde: Irak 1991 und 2003, Balkan 1999, Kaukasus 2008, Afghanistan, Libyen, Syrien. PR-Agenturen wie Hill&Knowlton spielten dabei immer wieder eine Rolle, ebenso wie Umfragetools à la Avaaz.org.

Hinweise, um Kriegspropaganda frühzeitig zu entdecken, bieten aber nicht nur humanitäre Spins, die das Völkerrecht auszuspielen trachten, indem die Aufmerksamkeit auf konkrete Menschenrechtsverletzungen gelenkt wird – da sitzen auch wohlmeinende Journalisten manchmal im toten Winkel, und so manche NGO entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als vorbereitete zweite Quelle für verantwortungsbewusste Journalisten, die versuchen, vor Ort ein glaubwürdiges Meinungsbild einzuholen. Auch wechselnde Kriegsgründe seien ein gutes Indiz für eine notwendige Recherche. Die Referentin erinnerte daran, dass wir in Afghanistan zunächst Osama bin Laden suchten, dann Brunnen bohrten und schließlich Mädchenschulen bauten. Spätestens Letzteres verrät den instrumentellen Charakter des Arguments, denn zu Zeiten sowjetischer Besatzung gingen in Afghanistan die Mädchen zur Schule. Auch die Auswahl zu bekämpfender Diktatoren kann ein Hinweis auf Interessen sein, wenn es gelingt, der instrumentellen Auswahl eine andere Auswahl ebenso möglicher Kriegsziele gegenüber zu stellen.

Und wer sich über die vielfältigen Aktivitäten von PR-Agenturen rund um die Bundeswehr informieren will, dem sei die Fachzeitschrift WUV – Werben und Verkaufen – zu Recherchezwecken empfohlen. Dort ist nicht selten zu finden, wer zu welchem Ziel und Zweck von wem beauftragt wird. Bei der Aufrüstung der Bundeswehr in Sachen Softpower und Werbung für Kanonenfutter wird einige Expertise von PR-Profis in Anspruch genommen, der Niederschlag in RTL-Serien oder BRAVO-Werbekampagnen für jugendliche Abenteuerlustige gehört zu dem, was die NATO-Doktrin von 1999 vorgibt, die Bundeswehr-Weißbücher ebenso darlegen und die Beschwörung einer „neuen Verantwortung in der Welt“ erpredigen: Mit „humanitären“ Argumenten dürfen „Ressourcen“ und Ressourcenwege gesichert werden, während die daraus resultierenden „Migrationsbewegungen“ wiederum mit den gleichen Mitteln zu bekämpfen sind. Dass dies nicht im Sinne derjenigen ist, die darunter leiden – nämlich wir alle – soll durch das entsprechende PR-Sprech übertüncht werden, und das könnte zunehmend gelingen, wenn man bedenkt, dass die nächste Generation mittels Gamer-Software bereits in eine vergleichbare Richtung gelenkt werden könnte.

Mit der Frage, wie man aus der PR-Maschine aussteigen könne, ohne als Gegenstimme diese Maschine noch zu befördern, und wie man wirklich eine eigene Agenda im aktuellen Medienkontext, wo Medien weniger als Vierte Gewalt denn als Teil der Herrschaftseliten angelegt sind, (durch)setzen könne, ging der sehr aufschlussreiche Vortrag direkt in die viele Aspekte aufgreifende und erweiternde Diskussion über. Die Aufforderung, gute Beiträge zu loben und damit den kritischen Journalisten den Rücken zu stärken, erhielt dabei einige Zustimmung.

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