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Themenabend: Martin Luther und seine dunkle Seite


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Heinz Kopp, (Ulmer Freidenker):

Martin Luther

und seine dunkle Seite

„Im Jahr 2017 feiert die Ev. Kirche ihr Reformationsjubiläum, dabei kommt es zu überschwänglichen Würdigungen und Huldigungen des Reformators Martin Luther. Luthers extremistische Judenfeindlichkeit und seine Obrigkeitsvorstellung, durch die er sich auf die Seite des Adels und gegen die Bauern stellte, wird weitgehend unterschlagen.

Noch Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) stilisiert Luther zum Heros einer neuen Zeit. Die Neuzeit hat mit der Reformation Luthers ihren Anfang genommen, das ist unter Historikern unbestritten, doch ob Luther Gestalter oder Produkt dieses Wandels war, darüber gehen die Meinungen auseinander. Luther wurde zum Kronzeugen der Nationalsozialisten für ihre Rassenideologie, mit der weltweit 6 Millionen Juden ermordet wurden. Adolf von Harnach, der bedeutende protestantische Theologe, formulierte noch am Vorabend der nationalsozialistischen Barbarei ganz selbstverständlich: „Die Neuzeit hat mit der Reformation Luthers ihren Anfang genommen“. Aus heutiger Sicht sind sowohl die konfessionelle als auch die nationale Richtschnur des historischen Urteils und die Bedeutung Luthers mehr als fragwürdig geworden. „An Luthers Geburtstag brennen in Deutschland die Synagogen“ ,so der Thüringer Landesbischof Martin Sasse 1938 in einer Hassschrift, wo er weiter triumphiert: „In dieser Stunde muss die Stimme des Mannes gehört werden, der der Warner seines Volkes wider die Juden geworden ist.“

Auf der Basis seiner Zweireichenlehre ( gebt dem Kaiser was des Kaisers und Gott was Gottes ist) stellte sich Luther in den sozialen Kämpfen der Bauern uneingeschränkt auf die Seite der Fürsten, im Gegensatz zu seinem Glaubensbruder Thomas Müntzer. Er forderte, die Schwerter zu schmieden gegendie Bauern und keine Gnade walten zu lassen. Luther war Toleranz fremd, so blieb er seinem Erzrivalen Thomas Müntzer über dessen Märtyrertod hinaus in tiefer Feindschaft verbunden: „wer den Müntzer gesehen hat, der mag sagen, er habe den Teufel leibhaftig gesehen in seinem höchsten Grimm.“ Der Vortrag beleuchtet auch die Frage, wie die evangelische Kirche sich heute mit der Judenfeindschaft Martin Luthers auseinander setzt. „Von Luther zur Freiheit und Selbstbestimmung“, so formuliert es der ehemalige Ratsvorsitzende Wolfgang Huber in einer Reformschrift. Diese Freiheit und Selbstbestimmung gestand der Reformator Luther nur den Fürsten und nicht den geknechteten und leibeigenen Bauern zu. Es gilt, die dunklen Kapitel Luthers und der Ev. Kirche aufzuhellen, was der Vortrag leisten will.

Freitag, 10. November 2017
Beginn 19.15 Uhr
in der Villa Leon (kleiner Saal), Philipp Koerber Weg
an der U2, Rothenburger Str.


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Datum/Zeit
Date(s) - 10.11.2017
19:15

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Villa Leon

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