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Je suis la Laicité

Spitzenvertreter der Politik aus aller Welt ließen sich am Rande einer mächtigen Demonstration in Paris nach dem Mord an Mitarbeitern des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo ablichten. Gut von Sicherheitskräften abgeschirmt sollte die Inszenierung in einer Nebenstraße den Eindruck erwecken, dass hier die Staatsmänner und Staatsfrauen dieser Welt an der Spitze der Demonstration marschierten. Abgesehen von solcher Peinlichkeit  faselten sie scheinheilig von Solidarität mit den Mitarbeitern des  Magazins und schwadronierten über den Kampf zur Wahrung der Meinungsfreiheit als ein heiliges Gut der Demokratie.

Die Särge der Ermordeten waren noch nicht unter der Erde, da forderte der in allen Talkshows omnipräsente CDU-Funktionär Bossbach und  sein Kollege Stefan Mayer aus der bayerischen CSU die Verschärfung des sogenannten Blasphemie-Paragraphen. Im § 166 StGB wird mit bis zu drei Jahren Strafe bedroht, wer z. B. Religionsgemeinschaften oder im Inland bestehende Kirchen etc. in der Weise beschimpft oder religiöse Inhalte verunglimpft, dass der öffentliche Frieden gestört wird.  Dem Bamberger Bischof Jürgen Schick sind gotteslästerliche Karikaturen schon längst ein Dorn im Auge. Er möchte solche Unbotmäßigkeit, ganz im Sinne der Bamberger Tradition – einer besonders blutrünstigen Inquisition – unter harte Strafe stellen lassen. Merkel und die Ihren dreschen derweil Phrasen von Meinungsfreiheit, von Pressefreiheit und anderen Freiheiten, die es zu verteidigen gäbe.

Kurz darauf äußerte sich auch der als volksnah geschmeichelte Chef der Katholiken, Jorge Mario Bergoglio, alias Franziskus, während seiner Exkursion auf den Philippinen.  Er forderte, dass man sich über Religion nicht lustig machen dürfte.  Das käme schließlich einer Beleidung seiner Mutter gleich und dafür gäbe es einen Kinnhaken. Da schimmert doch schon wieder seine argentinische Vergangenheit durch. Wer nicht spurt, kriegt vom eifernden Jesuiten  eine aufs Maul.  Und im Übrigen, sieben Stunden Folter sind ja schließlich keine Sünde.

Auch saudische Vertreter ließen sich in Paris fotografieren, während bei ihnen zuhause der zu 1000 Stockhieben und 10 Jahren Gefängnis verurteilte Blogger Raif Badawi öffentlich nach dem Freitagsgebet vor einer Moschee in Dschidda malträtiert  wurde. Sein Verbrechen war Religionskritik und die Forderung nach einem laizistischen Staat. Drakonische Strafen sind bei den deutschen Wirtschaftspartnern gängige Praxis, nicht nur für Kritik an Staat und staatstragender Religion.

Die Hemmschwelle staatstragender  Saudis für peinliche Auftritte scheint indes niedrig zu sein. Sie heuchelten öffentlich Entsetzen über die Ermordung von Karikaturisten, die den Propheten Mohamed und seine Prediger gerne mit spitzer Feder aufs Korn nahmen. Wie viele Stückschläge hätten sie wohl den ermordeten Karikaturisten zukommen lassen?

Hugo Putearius, Nürnberg

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