Nürnberg, Ostermarsch 2026
Liebe Friedensaktive,
ich heiße Michael Kraus, bin Politikwissenschaftler, Gewerkschafter und Friedensaktivist aus Schweinfurt und engagiere mich aktuell vor allem beim NachDenkSeiten-Gesprächskreis Schweinfurt/Würzburg und beim Deutschen Freidenker-Ortsverband Schweinfurt/Würzburg. Ganz herzlich möchte ich mich für die Einladung des Friedensforums Nürnberg bedanken, dass ich heute die „Hauptrede“ beim Ostermarsch 2026 in Nürnberg halten darf. Hoffentlich kann ich den Erwartungen gerecht werden.
Die westliche, weiße Weltordnung unter Führung der USA steht vor ihrem verdienten Ende. Seit 1492 bzw. seit 1498 haben über 500 Jahre lang die Weißen, vor allem reiche weiße Männer, über den Erdball geherrscht. Als die sozialistische Sowjetunion 1991 unterging, übernahmen die kapitalistischen USA die Stellung als alleiniger westlicher Weltenherrscher. Die imperialistischen US-Eliten führten zahlreiche Putsche in anderen Ländern durch und einen Krieg nach dem anderen, um sich an der Spitze der Weltordnung zu halten. Wie in einer Mafiabande, so teilten die USA und ihre westlichen Partner in der NATO und in Ostasien sich die Welt untereinander als Beute auf. Wer sich nicht dem Westen unterwirft, wer sich nicht vom Westen ausbeuten und unterdrücken lässt, wer eine eigenständige Entwicklung zum Wohl der eigenen Nation verfolgt, der wird vom NATO-Westen erst diffamiert, dann sanktioniert, weggeputscht oder mit Krieg überzogen. Laut dem weltbekannten US-Politikwissenschaftler John J. Mearsheimer haben die Sanktionen der USA und der EU von 1971 bis 2021 rund 33 Millionen Menschen das Leben gekostet – fast so viele wie der von den Nazis entfesselte Zweite Weltkrieg in Europa. Die Charta der Vereinten Nationen mit ihrem strikten Gewaltverbot zerstört der von den USA angeführte Westen, wie der weltbekannte US-Ökonom Jeffrey Sachs beklagt. Die USA bekämpfen unter ihrem Präsidenten Donald Trump die Grundgedanken der Vereinten Nationen mit allen Mitteln. Das Völkerrecht verhöhnt der Westen in demagogischer Manier als „Schutz von Diktatoren“. Dabei ist es der Schutz der Schwachen vor den Starken. Das Recht schützt die Schwachen. Wir schauen mit Abscheu und Entsetzen auf diese sogenannte „regelbasierte Weltordnung“. Und wir freuen uns zugleich über die Entwicklung der letzten Jahre: Gut, dass der „Wertewesten“ nicht mehr das alleinige Sagen hat!
Denn viele Länder haben technologisch und wirtschaftlich zum Westen aufgeholt. Die 2006 gegründeten BRIC-Staaten, zu denen heute 10 Länder gehören, haben die westlichen G7-Staaten mittlerweile wirtschaftlich überholt. Die BRICS – also Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika – zusammen mit den neuen Mitgliedsstaaten Ägypten, Äthiopien, Vereinigte Arabische Emirate, Indonesien und Iran gestalten eine neue Weltordnung. Diese neue Weltordnung beruht auf Gleichberechtigung und Souveränität, also auf Selbstbestimmung. Die neue Weltordnung der BRICS-Staaten beruht auf der politischen Herrschaft über das Kapital statt der Herrschaft des Kapitals über die Politik, wie wir sie in den imperialistischen NATO-Staaten erleben. In den 10 BRICS-Staaten geht es der Bevölkerungsmehrheit im Schnitt von Jahr zu Jahr immer besser, im Westen immer schlechter. Die BRICS-Staaten treten der von den USA geführten imperialistischen NATO entgegen. Die NATO ist spätestens seit 1999 ein völkerrechtswidriges Angriffskriegsbündnis und stellt damit eine Bedrohung für die Weltgemeinschaft sowie für die Charta der Vereinten Nationen dar. Die BRICS sagen NEIN zur Politik des Westens, der für den Rest der Welt nur noch Kanonen, Bomben und Verwesung übrighat. Die BRICS sagen NEIN zu Armut, Krieg und Diktatur. Wir sagen mit den BRICS-Staaten JA zu Wohlstand, Freiheit, Frieden und Selbstbestimmung. Wir sagen JA zu Entwicklung, Zusammenarbeit, Diplomatie und Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen.
Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,
die USA versuchen unter der Führung von Trump ihren eigenen Niedergang sowie den Aufstieg der BRICS mit einer brutalen Kriegs- und Machtpolitik aufzuhalten. Der Milliardär Trump wirkt wie eine Mischung aus einem brutalen Mafiaboss und einem selbstherrlich-absolutistischen Fürsten. Er hat in seiner Regierung eine illustre Truppe von Personen um sich geschart. Immobilienhaie, Finanzabzocker, christliche „Gotteskrieger“ und zionistische Ultrarechte geben den Ton an. Trumps Beliebtheitswerte stehen am Abgrund, denn er hat fast alle Wahlversprechen gebrochen: Statt Frieden bringt er Krieg, statt einer Politik des „America first“ verfolgt er eine Politik des „Israel first“, statt Sicherheit, Wohlstand und Aufstieg schafft seine Politik nur Inflation, Armut und Arbeitslosigkeit. International versucht Trump die USA oben zu halten, indem er seine Verbündeten beinahe genauso mies behandelt wie seine Gegner: Er droht und erpresst, er plündert und putscht. Den Panamakanal, Grönland, Venezuela, Cuba und den Gaza-Streifen will er sich und den USA einverleiben, womöglich auch noch den Iran, Mexiko und Kolumbien. Den Völkermord Israels in Gaza unterstützt Trump.
Wie ein Ertrinkender sich durch das Niederdrücken anderer Bootsflüchtlinge über der Wasserlinie zu halten versucht, so wollen die USA sich auf Kosten ihrer als Vasallen behandelten „Verbündeten“ oben halten. Trump behandelt die EU-Staaten sowie Japan und Südkorea wie rechtlose Vasallen und presst sie finanziell aus wie Zitronen. Die Eliten der westlichen Staaten außerhalb der USA machen mit, weil sie hoffen, dadurch weiterhin ihren Teil an der imperialistischen Beute abzubekommen. Sie streben eine „dienende Führungsrolle“ an, wie es der frühere deutsche „Vizekanzler“ Robert Habeck von den GRÜNEN nannte. Doch wie sagte einst US-Außenminister Henry Kissinger: „Es ist gefährlich, ein Feind der USA zu sein, aber tödlich, wenn man ihr Verbündeter ist.“ Weder die Bevölkerung der USA noch die der Ukraine profitiert von Trump, denn anstatt Frieden zu bringen, will er möglichst viel Geld für die USA herausziehen und Russland schädigen sowie schwächen. Die USA bekämpfen zudem China, indem sie die Regierungen der größten Öllieferanten stürzen und durch US-Marionetten ersetzen wollen, aktuell in Venezuela und im Iran. Und wo dies nicht gelingt, sät man zumindest Chaos, um den geopolitischen Rivalen China und Russland zu schaden – siehe Irak, Syrien oder Libyen. Der Westen will China vom Öl und Russland vom Welthandel abschnüren, um beide Staaten wirtschaftlich zu erdrosseln, mit dem Ziel einer ethnisch-völkischen Zerstückelung beider Länder. „Teile und herrsche“, diese Parole des römischen wie auch des britischen Weltreichs verfolgen die USA sehr konsequent. Dies sind keine Verschwörungstheorien, sondern diese Politik ist in zahlreichen Strategiepapieren der US-Denkfabriken und der US-Regierung festgehalten, von der RAND Corporation bis zu Stratfor, vom US-Außenministerium bis zum US-Präsidialamt.
Liebe Friedensstreiterinnen und Friedensstreiter,
diese Entwicklung ist nicht neu. In der Antike verhielt sich Athen im attischen Seebund ähnlich tyrannisch, später das antike Rom. Über Rom kursiert der Spruch von Tacitus: „Sie schaffen eine Wüste und nennen das Frieden.“ Das war die berühmte „pax romana“: der römische ewige Frieden über den ewigen Gräbern – der Ermordeten. Als neues Rom sehen sich auch die USA mit ihrer „pax americana“, ihrem „amerikanischen Frieden“, und sie gründen sich wie das antike Rom auf Völkermord (an den sogenannten Indianern) und Sklaverei (an den Afrikanern). Über die USA sagt aktuell Alexander Mercouris von THE DURAN, in Anlehnung an Rom: „Sie schaffen das Chaos und nennen es Demokratie.“ Regelmäßig stimmen die USA zudem in den Vereinten Nationen gegen die Verurteilung von Neonazismus und Faschismus, zusammen mit dem korrupten rechten Regime der Ukraine. Erst vor kurzem stimmten die USA – zusammen mit Israel und Argentinien – zu dritt als einzige Staaten in den Vereinten Nationen gegen eine Verurteilung der Sklaverei. Komisch, dass ausgerechnet dieses Land als engster Verbündeter Deutschlands und der EU gilt, gar als „Wertepartner“. Unsere Werte sind dies NICHT, denn wir stehen NICHT für Völkermord und Sklaverei, NICHT für Neonazismus und Faschismus. Wir stehen für Frieden, Freiheit und Selbstbestimmung, für Völkerverständigung, soziale Gerechtigkeit und solidarische Entwicklung.
Was bedeutet dies alles für uns, was sollten wir als Friedensbewegung daraus lernen? Hier sind einige Gedanken von mir dazu. 1. Deutschland und die EU müssen sich lösen von ihrer fatalen Vasallentreue zu den USA und zu deren Weltreich – und zwar nicht, um selbst Weltenherrscher zu werden, sondern um gleichberechtigt mit allen anderen Nationen eine neue gerechte Weltordnung zum gegenseitigen Vorteil aufzubauen. Ich denke hier insbesondere an die 10 BRICS-Staaten, mit denen wir wirtschaftlich und politisch kooperieren sollten. 2. Für Deutschland wäre ein konkreter erster Schritt der sofortige Austritt aus der NATO, zumindest aus der militärischen Integration der NATO, und damit der Abzug aller fremden Truppen und aller NATO-Standorte aus Deutschland, nach dem Vorbild von Frankreichs Austritt aus der militärischen NATO-Organisation unter Charles de Gaulle 1966/1967. Wir brauchen keine Aufrüstung und Wehrpflicht, keine US-Truppen und US-Mittelstreckenraketen, sondern Abrüstung und Diplomatie, fairen Interessenausgleich und Neutralität. Neutralität ist keine Dummheit oder Selbstisolation. Neutralität ist vielmehr sehr klug, wie es die Schweiz, aber wie es auch früher Österreich und Finnland gezeigt haben. Die hunderten Milliarden an Euro für den geplanten Dritten Weltkrieg gegen Russland brauchen wir stattdessen für Infrastruktur, für zivile Produktion, für Bildung, für Gesundheit, für Sozialwesen, für Umweltschutz, für Völkerverständigung und für Friedensarbeit.
Liebe Friedensaktive,
mein 3. Punkt lautet: Die EU als imperialistisches, autokratisches Staatenbündnis muss aufgelöst und durch einen fortschrittlichen europäischen Bund souveräner Staaten nach dem Vorbild der BRICS ersetzt werden. Vereinigte Staaten von Europa, so bemerkte einst ganz richtig Lenin, sind unter kapitalistischen Bedingungen entweder unmöglich, weil sich die Staaten untereinander bekämpfen, oder reaktionär, weil sie gemeinsam über Drittstaaten herfallen und diese imperialistisch ausbeuten. Beides hat sich mit der EU bewahrheitet. Zum einen unterstützt der EU-Apparat in den demokratischen Mitgliedsstaaten Putsche – siehe Rumänien oder Ungarn – und bedroht demokratische Mitgliedsstaaten durch Fremdstaaten wirtschaftlich und politisch – siehe die Angriffe der Ukraine auf die Energieversorgung und die Sicherheit der Staatschefs der Slowakei und Ungarns. Zum anderen versucht die EU andere Staaten militärisch und wirtschaftlich zu unterwerfen, siehe die Balkankriege in den 1990er Jahren, die Einflussnahme der EU im Kaukasus, in Nordafrika und in Nahost – und nicht zuletzt der Stellvertreterkrieg von NATO und EU gegen Russland in der Ukraine. Diese EU steht für völkerrechtswidrige Sanktionen gegen Russland und gegen die eigene Bevölkerung, etwa die so verbrecherischen wie barbarischen Sanktionen gegen Hüseyin Dogru, Jacques Baud, Alina Lipp, Thomas Röper und viele andere. Auch, wenn man mit diesen Journalisten womöglich nicht einer Meinung ist – diese barbarische Behandlung hat niemand verdient. Die EU hat diese Journalisten für „vogelfrei“ erklärt wie im Mittelalter, quasi zum Abschuss freigegeben. Wir sagen dazu nein! Diese EU steht für Aufrüstung und Kriege. Diese EU steht für Armut, Deindustrialisierung und Niedergang. Diese EU steht für die Herrschaft des Kapitals sowie die Schwächung der Gewerkschaften und Tarifverträge. Diese EU steht für Putsche, Zensur und Gleichschaltung. Wir wollen das Gegenteil: Frieden durch zivile Kooperation, Freiheit durch demokratische Selbstbestimmung und eine starke Zivilgesellschaft, Wohlstand durch produktive Zusammenarbeit – und soziale Gerechtigkeit durch eine gut organisierte Arbeitnehmerschaft und ein faires Sozialsystem.
Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,
mein 4. Punkt ist: Als weiteren konkreten Schritt brauchen wir eine umfassende deutsch-russische und europäisch-russische Aussöhnung, so wie wir nach dem Zweiten Weltkrieg eine deutsch-französische Aussöhnung und eine deutsch-israelische Aussöhnung hatten. Verrückt und widersinnig erscheint uns heute die damals von den rechten deutschen Eliten betriebene „Erdfeindschaft“ zu Frankreich, die bis 1945 galt. Doch genauso verrückt und widersinnig ist die heute von den rechten deutschen Eliten betriebene „ewige Feindschaft“ zu Russland. Warum unterstützt Deutschland als „Staatsräson“ blind Israel, bekämpft aber Russland? Das nationalsozialistische Deutschland tötete 6 Millionen Juden und 26 Millionen Sowjetbürger – viele davon Russen – im Zweiten Weltkrieg. Sind jüdische Opfer alles und sowjetische bzw. russische Opfer nichts wert? Ist das unsere rassistische und grundfalsche Lehre aus der Geschichte? Der Friedensnobelpreisträger und Bundeskanzler Willy Brandt sagte einst: „Wir (als Deutsche) wollen ein Volk der guten Nachbarn sein.“ Russland ist ein wichtiger Nachbar für uns. Frieden in Europa ist nur mit und nicht gegen Russland möglich.
Mein 5. Punkt: Wir sollten als Friedensbewegung zu diesem Zweck mit allen Menschen reinen Herzens zusammenwirken, die uns in diesen Zielen nahestehen. Wir brauchen eine breite, fortschrittliche Volksbewegung für Frieden, Freiheit und Selbstbestimmung, für Völkerverständigung, soziale Gerechtigkeit und solidarische Entwicklung, wie mit der Friedensbewegung in den 1980er Jahren. Wir sollten in der Friedensbewegung keine ständigen Gesinnungstests durchführen und uns in ideologischer Reinheit, in Distanziereritis und Abgrenzungswahn wohlfühlen, sondern die Friedensfrage in den Mittelpunkt stellen. Im Solidaritätslied von Bertolt Brecht und Ernst Busch heißt es treffend dazu: „Unsre Herrn, wer sie auch seien, sehen unsre Zwietracht gern, denn solang sie uns entzweien, bleiben sie doch unsre Herrn.“ Wer reinen Herzens für den Frieden ist, der steht auf unserer Seite, wie Oskar Lafontaine nicht müde wird zu betonen. Dabei sollten wir insbesondere die Arbeitnehmerschaft ansprechen, denn „Arbeiter schießen nicht auf Arbeiter!“ Diese Erkenntnis aus den Weltkriegen gilt noch heute. Wir stehen hier vor dem Nürnberger Gewerkschaftshaus, viele von euch sind Gewerkschafter, wie ich. Wir alle müssen durch ständige Aktivitäten von unten Druck auf die sozialdemokratischen Gewerkschaftsführungen ausüben. Wir müssen sie von ihrer Burgfriedenspolitik mit dem Kapital und von ihrer tendenziellen Kriegsunterstützung abbringen und sie für den Frieden gewinnen, wie in den 1980er Jahren. Die Gewerkschaftsführungen waren auch damals zunächst gegen die Friedensbewegung, insbesondere gegen die Großdemonstration im Bonner Hofgarten 1983. Doch die Gewerkschaftsbasis hat sich einfach nicht darangehalten und am Ende machte die Gewerkschaftsführung selbst bei den Friedensdemos mit. An dieser Stelle möchte ich nochmals Willy Brandt zitieren: „Der Frieden ist nicht alles. Aber alles ist ohne den Frieden nichts!“
Liebe Friedensstreiterinnen und Friedensstreiter,
mein 6. und letzter Punkt: Um all dies und noch viel mehr zu erreichen, brauchen wir an Stelle der heutigen autoritären Fassadendemokratie eine echte Demokratie, in den Betrieben wie auch in Politik und Gesellschaft. Solange Banken, solange Konzerne, solange Vermögende über Deutschland und die EU herrschen, wird ihr Programm von Armut, Krieg und Diktatur gnadenlos durchgedrückt, egal wer unter ihnen die Regierung stellen darf. Nur mit politischer Herrschaft über das Kapital wie in den BRICS-Staaten wird sich etwas zum Positiven ändern. Ich möchte dazu kurz einige Ideen äußern: 1. Wie wäre es mit einer Vergesellschaftung der Schlüsselindustrien, wie sie in der Satzung der IG Metall gefordert wird, anstelle des Diktats von Aktionären und Großkapitalisten – für zivile Produktion statt für Kriegsproduktion? 2. Wie wäre es, wie von ver.di gefordert, mit einer Überführung der Daseinsvorsorge in die öffentliche Hand, wie wäre es mit 100 Prozent Gemeineigentum an Energie- und Wasserversorgung, Post, Bahn usw., wie wir es schon einmal hatten? 3. Wie wäre es mit direkter Demokratie wie in der Schweiz, durch Volksabstimmungen mit niedrigen Hürden auf allen politischen Ebenen? Dann könnten wir selbst über Krieg und Frieden abstimmen; das wollen wir nicht den Politikern überlassen! 4. Wie wäre es mit alternativen, selbstgestalteten Medien von unten anstelle der oft im Gleichschritt marschierenden, autoritären Konzern- und staatsnahen Medien? Julian Assange, der Gründer von Wikileaks, hat sich mit der Geschichte beschäftigt und festgestellt: Die meisten Menschen wollen keinen Krieg, deshalb müssen sie hineingelogen werden, und dies tun die Medien. Hätte man wahrheitsgetreue Medien, gäbe es also keine Kriege mehr. Und genau deshalb müssen wir über die Medien demokratisch mitbestimmen, dürfen wir sie nicht den Reichen und Mächtigen überlassen. 5. Wie wäre es mit gelosten Volksvertretungen, um repräsentativ zusammengesetzte Volksvertretungen zu erhalten, wie wir es heute schon bei Schöffen als Laienrichtern erfolgreich praktizieren? Schlechter als die heutige politische Klasse wird es die Normalbevölkerung auch nicht machen, und wir könnten es auf kommunaler Ebene ausprobieren. 6. Wie wäre es mit demokratisch-partizipativen Bürgerhaushalten, bei denen die Bevölkerung selbst über einen Teil der Steuerverteilung entscheidet und diese kontrolliert? Auch dafür gibt es viele Beispiele weltweit. – Mir ist klar, das sind sehr weitreichende Ideen und wir werden dazu keinen leichten und schnellen Konsens finden. Aber ich finde, beim Ostermarsch muss man auch einmal neue Gedanken ansprechen, denn eines ist sicher: Wir brauchen dringend, ganz dringend eine andere Politik, wenn wir ernsthaft Frieden wollen. Es muss sich sehr viel ändern in diesem Land. Mit der „Internationale“ gesprochen: „Es rettet uns kein höheres Wesen, kein Gott, kein Kaiser noch Tribun / Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun.“
Ich möchte zusammenfassen und komme zum Schluss: Wir wollen
- Deeskalation, Kompromissbereitschaft und vertrauensbildende Maßnahmen statt einem neuen Wettrüsten
- eine fruchtbare internationale Zusammenarbeit statt völkerrechtswidrige Sanktionen
- Friedensverhandlungen statt Waffenlieferungen
- das Völkerrecht statt das Recht des Stärkeren
- Neutralität und NATO-Austritt statt US-Mittelstreckenraketen und NATO-Truppen in Deutschland
- eine Friedenspflicht statt Wehrpflicht
- Geld für Infrastruktur, für zivile Produktion, für Bildung, für Gesundheit, für Sozialwesen, für Umweltschutz, für Völkerverständigung und für Friedensarbeit – statt hunderte Milliarden Euro für Aufrüstung und Militarisierung.
Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit und Geduld – Glückauf!
