Venezuela: Demokratie oder Neokolonialismus?
Veranstaltungen mit
Carsten Hanke von der GeFIS e. V.
am 15.03.2026 im „TV Oberndorf“ Schweinfurt und am 16.03.2026 im „Blauen Adler“ Würzburg
Am Sonntag, dem 15. März 2026 im „TV Oberndorf“ Schweinfurt und am Montag, dem 16. März 2026 im „Blauen Adler“ Würzburg boten NachDenkSeiten-Gesprächskreis Schweinfurt/Würzburg und Deutscher Freidenker-Verband Schweinfurt/Würzburg einen Informationsabend zu Venezuela an. Michael Kraus, Sprecher von NachDenkSeiten-Gesprächskreis und Deutschem Freidenker-Verband und Moderator der beiden Abende, begrüßte als Referent Carsten Hanke von der 2020 gegründeten Gesellschaft für Frieden und internationale Solidarität e. V. (GeFIS). Hanke berichtete von den dramatischen politischen Veränderungen in Venezuela der letzten Jahre. Er stammt aus Rostock, ist gelernter Zerspanungsfacharbeiter und seit langem ehrenamtlich aktiv, unter anderem als ehrenamtlicher Arbeitsrichter als auch als gewählter Gemeindevertreter. 2

Hanke berichtete zunächst von der jüngeren Geschichte Venezuelas. Im Jahr 1998 wurde der Offizier Hugo Chávez zum Präsidenten gewählt und drehte das Land auf links. Er berief sich auf den Staatsgründer Simon Bolívar, stellte die Souveränität über die eigene Ölförderung her und nutzte das zusätzliche Geld, um von den Reichen zu den Armen umzuverteilen. Nach dem Tod des populären Chávez im Jahr 2013 kam Nicolás Maduro an die Macht. Brutale Sanktionen der USA ab 2015 verschlechterten die wirtschaftliche und soziale Situation in Venezuela drastisch. Anfang 2026 wurde Maduro von den USA entführt und US-Präsident Trump reißt nun mit neokolonialer Kanonenbootpolitik die Erlöse aus dem Erdölverkauf Venezuelas an sich. Da Venezuela vor allem vom Ölexport lebt, bedeutet dies eine Ausplünderung des Landes.
Nach Aussage von Carsten Hanke, der seit seit Jahren regelmäßig in Venezuela aufhält, hat sich die Lage im Land dramatisch verschlechtert durch die 2015 von Barack Obama verhängten völkerrechtswidrigen US-Sanktionen sowie durch die sinkenden Ölpreise in den vergangenen Jahren. Nachdem sich der Lebensstandard im Land von 1998 bis 2014 pro Kopf verdreifacht hatte, verfiel er seitdem binnen wenigen Jahren. Etwa 4 bis 4,5 Millionen Venezolaner gingen ins Exil, weil sie unter den schwierigen Bedingungen nicht mehr leben wollten oder konnten. Von einer 3
Diktatur könne in Venezuela jedenfalls keine Rede sein. Es fänden regelmäßig freie Wahlen im Land statt, öfter als in Deutschland, an denen die gesamte Opposition teilnehme. Als Wahlbeobachter in Venezuela stellte er ausführlich das elektronische Wahlsystem vor, das nicht manipulierbar sei.
Der Rückhalt für die Regierung Maduro und die chavistisch-bolivarische Bewegung sei immer noch sehr hoch, was sich an Wahlergebnissen und Massenkundgebungen zeige. Ursache seien die großen sozialen Errungenschaften, die bis heute gelten: Kostenlose Bildung von Kindergarten über Schule bis zur Hochschule, kostenfreie Gesundheitsversorgung und ein großangelegter sozialer Wohnungsbau mit vorbildlichen Standards seien in Lateinamerika fast einzigartig. Finanziert wird all dies aus den Ölerlösen, was aber nun gefährdet sei. Die Opposition teile sich in eine ultrarechte und eine liberale Strömung. Die Ultrarechten um „Friedensnobelpreisträgerin“ María Corina Machado und ihren Parteifreund Edmundo González laut Hanke alle sozialen Errungenschaften abschaffen und die Ölreichtümer des Landes an die USA ausverkaufen wollen. Dabei unternahmen sie sogar mehrere gewalttätige Putschversuche, die jedoch alle vereitelt wurden. Die liberale Opposition will die Sozialleistungen lediglich reduzieren und mehr Marktwirtschaft sowie Effizienz in die Regierung bringen.

Abschließend stellte Carsten Hanke die Solidaritätsprojekte der Gesellschaft für Frieden und internationale Solidarität e. V. (https://www.gefis2020.de/) in Venezuela vor. Die im Jahr 2020 gegründete
GeFIS ist ein überparteilicher Zusammenschluss von Menschen, die für die Selbstbestimmung der Länder Lateinamerikas im Geiste und in der Tradition von Simón Bolívar und Alexander von Humboldt eintreten. Diese sieht Hanke durch die Einmischung der USA gefährdet. Michael Kraus betonte im Rahmen der Infoabende die UN-Charta, in der sowohl die Selbstbestimmung der Länder und Völker als auch der Gewaltverzicht in der internationalen Politik verankert sind. Die USA, die einst die Vereinten Nationen mitgegründet und die UN-Charta geschrieben haben, würden diese nun mit Füßen treten. NachDenkSeiten-Gesprächskreis und Deutscher Freidenker-Verband engagierten sich umso mehr für den Erhalt des Völkerrechts, das die Schwachen vor den Starken schütze.
Fotos: Michael Kraus und Fred Mahler
