Anmerkungen zu den Rundfunksendungen von Thomas Mann nach Deutschland aus den Jahren 1940 bis 1945
Richard Dollinger:
„Wer Wind sät, wird Sturm ernten“
1940, initiiert von der BBC, beginnt Thomas Mann mit Radiovorlesungen an die Deutschen Hörer. Über die Jahre werden es bis November 1945 insgesamt 58 Beiträge. Wer die Romane von Thomas Mann gelesen hat, liest diese Ansprachen mit Erstaunen. Keine gedrechselten, oft bis zu einer Seite langen Sätze, sind zu finden. Es sind kurze, man liegt nicht falsch, nennt man sie agitatorische Sätze. Keinerlei Abwägen, keinerlei Ambivalenz, schonungslose Demaskierung mit innerer Genugtuung, wenn er schreibt: „Ich kann mir nicht helfen: es tut doch wohl, Hitler so recht ins Gesicht hinein einen blödsinnigen Wüterich zu nennen.“
„Wisst ihr Deutschen das,“ fragt Thomas Mann und berichtet ihnen bereits 1942 von den Verfolgungen der Juden.
Geradezu gebetsmühlenartig fordert er die Deutschen auf, sich selbst zu befreien. Selbst bei der Bombardierung seiner Vaterstadt Lübeck bleibt er unerbittlich und gesteht den Deutschen keine Opferrolle zu, wenn er ihnen sagt: „Aber ich denke an Coventry und habe nichts einzuwenden gegen die Lehre, dass alles bezahlt werden muss.“
Vorgestellt wird ein politisch eingreifender Thomas Mann, dessen Wandlung von einem konservativen Monarchisten zum stand- und haltungsfesten bürgerlichen Republikaner überzeugend ist.
Freitag, 11. September, 19 Uhr,
Nürnberg, Nachbarschaftshaus Gostenhof
Datum/Zeit
Date(s) - 11.09.2026
19:00
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